„Von der Pflicht zur Kür: Nachhaltigkeit als Wettbewerbsvorteil für KMU“
Gesprächsrunde mit Nikolaus Brada (Nibra), Roswitha Reisinger (Businessart Magazin), Ursula Oberhollenzer (CSR Dialogforum) und Roland Spitzhirn (Vereinigte Eisfabriken und Kühlhallen). Moderation: Wolfgang Renner, Social City Akademie
Am 18. März 2026 fand das erste Wiener Salongespräch in der Vienna Grand Gallery statt. Nach der Begrüßung durch Nikolaus Brada, den Hausherren und Prof. Wolfgang Bandion, den Kurator der Vienna Grand Gallery, tauschten die Gesprächsgäste Ideen und Erfahrung zu und mit Nachhaltigkeitsaktivitäten aus. Den Einstieg in die Diskussion bildete die Frage zur Bedeutung der KMUs in Österreich, die über 90% der Unternehmen ausmachen, sowie deren Herangehensweise. „Der Schlüssel für ein erfolgreiches Unternehmen ist in erster Linie die Arbeitskraft. Klein- und Mittelbetriebe halten die Mitarbeitenden auch in den schlechten Zeiten. Es bauen sich emotionale Verbindungen auf, und ein zufriedener Mitarbeitender ist ein qualitativ hochwertiger Mitarbeitender“ erklärte Nikolaus Brada, der in der Baubranche besonders in der Pandemiezeit wegen des Stillstands auf Baustellen große Herausforderungen hatte. Seine Strategie war es, seine Aufzüge auch in den Bundesländern anzubieten, die Marktexpansion war daher sein Erfolgsfaktor. „Die Mitarbeitenden haben es mir gedankt durch tollen Einsatz. Wir sind ein unglaublich zusammengeschweißtes Team geworden“, so der Unternehmer. Ursula Oberhollenzer ergänzt: „Stichwort Employer Branding: Wenn ich nachhaltig agiere und das auch nachweisen kann, habe ich Wettbewerbsvorteile am Arbeitsmarkt, was in Zeiten von Fachkräftemangel ein wesentlicher Erfolgsfaktor ist.“
Das Magazin Businessart aus dem Lebensart Verlag entstand aus der 2009 gestarteten Auszeichnung der Nachhaltigen Gestalter*innen. Damit werden Unternehmer*innen und Manager*innen, die nachhaltige Meilengesteine gesetzt haben, ausgezeichnet. Basis sind transparente Kriterien, ausgewählt von einer Fachjury. „Die Auszeichnung hat erstmals nachhaltige Vorreiter*innen breit sichtbar gemacht. Unser Ansatz in Lebensart und Businessart: Information muss handlungsorientiert und lösungsorientiert sein. Lösungsvorschläge sollen Leser*innen inspirieren, selbst über Lösungen nachzudenken“, sagt Verlegerin Roswitha Reisinger.
Das Unternehmen von Roland Spitzhirn ist eine Genossenschaft, daher meinte er: „Unser Credo: Kund*in zufrieden, Genossenschaftsmitglied zufrieden, Mitarbeitende zufrieden – dann macht man einen guten Job. Das tun wir bei minus 28 Grad. Wir kennen von allen Mitarbeitenden die Familien und Lebensgeschichten. Wenn es Probleme gibt, unterstützen wir sie – auch finanziell.“
Im Bereich Energie können z.B. durch Einbau von Solarpaneelen Kosten mittelfristig gesenkt werden, auch das Thema Energiegemeinschaften ist eine gute Lösung, um Energieerzeugung und -versorgung in Kooperation mit Anrainer*innen zu optimieren. Roland Spitzhirn hat 2022 mit seiner Eisbärenpower Energiegemeinschaft e.Gen. die Möglichkeiten des Gesetzgebers erfolgreich umgesetzt. Bei Nibra wird derzeit an einer Innovation mit Solarpaneelen and Stahlkonstruktionen gearbeitet, um die Effizienz weiter zu steigern und in der Folge Kosten zu senken. Damit kommen wir zu Innovationen, die im Nachhaltigkeitskontext ein weiterer Erfolgsfaktor sind. Ein schönes Beispiel dazu ist Bellaflora. Nach der Entscheidung, Glyphosat – einen Bestseller – auszulisten, hat das Unternehmen ein neues Lösungskonzept entwickelt – Pflanzenstärkung statt Pestizide. Dann wurden chemische Düngemittel ausgelistet und schließlich auch Torf ersetzt. „Das hat 10 Jahre Forschung erfordert, aber das ist Nachhaltigkeit in Konsequenz“ erklärte Roswitha Reisinger.






Aus dem sehr interessierten Publikum kam dann u.a. die Frage nach dem Begeistern jener Unternehmen, die noch nicht auf Nachhaltigkeit ausgerichtet sind. Ursula Oberhollenzer dazu: „Es gibt immer die First Mover und Visionäre. Wir müssen die nächste Kohorte mitnehmen – über Kooperationen, Vorbilder, skalierbare Projekte. Kooperationen sind ganz zentral, um Schwarmintelligenz zu nutzen.“ Und wenn es darum geht, junge Personen auf die Reise mitzunehmen, meinte Roland Spitzhirn: „Es geht um Vertrauen und Respekt. Man muss zeigen, dass man nicht nur am kurzfristigen Gewinn interessiert ist. Und klar sagen, was man nicht bieten kann.“
Zum Abschluss kam auch noch der Präsident des CSR Dialogforums, Stefan Blachfellner, zu Wort und lud das Publikum ein, sich den Communities of Practice im Verein anzuschließen oder eine eigene CoP zu starten, um gemeinsam an Zukunftsthemen zu arbeiten. Beim angeregten Netzwerken gab es noch viele spannende Gespräche und erste Kooperationsideen sowie Angebote für weitere Events in der Vienna Grand Gallery
Fotos Copyright: CSR Dialogforum
