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Wiener Wohnbaupreis 2015: Gelebte Solidarität und Mitbestimmung zeichnen den großen Gewinner des „Wohnbau-Oscar“ aus.

Mit der Verleihung des Wohnbaupreises, des Publikumspreises und zweier Anerkennungspreise wurden die herausragendsten Projekte prämiert.
Am 6.5. 2015  ging die feierliche Verleihung des Wohnbaupreises 2015 über die Bühne. Mit der Preisübergabe des „Wohnbau-Oscar“, zweier Anerkennungspreise sowie des großen Publikumspreises – über den die WienerInnen im Rahmen eines Online-Votings entscheiden konnten – wurden die herausragendsten Wohnbauprojekte der letzten Jahre prämiert. Der große Gewinner des „Wohnbau-Oskars“ ist das Projekt „so.vie.so mitbestimmt ‒ Sonnwendviertel solidarisch“, das von den s & s Architekten geplant und vom Bauträger BWS im neuen Stadtviertel beim Hauptbahnhof realisiert wurde.

Wohnbaustadtrat Michael Ludwig, der den Wiener Wohnbaupreis überreichte, strich die außerordentlichen Qualitäten und den hohen Innovationsgrad aller eingereichten und insbesondere des Siegerprojekts hervor: „Soziale Nachhaltigkeit, die seit dem Jahr 2009 ein verpflichtendes Kriterium im geförderten Wohnbau in Wien darstellt, ist längst nicht mehr nur ein Schlagwort. Wohnen wird grundlegend von sozialen und gesellschaftlichen Faktoren bestimmt. Die Bewohnerinnen und Bewohner sind diejenigen, die im Wohnbau im Mittelpunkt stehen. Und gerade das zeichnet den geförderten Wiener Wohnbau auch aus. Die heute prämierten Projekte belegen dies eindrucksvoll.“
Ganz besonders werden diese Qualitäten bei dem mit dem Wohnbaupreis 2015 ausgezeichneten Projekt unter Beweis gestellt. Es zeichnet sich insbesondere durch die frühzeitige Einbindung der BewohnerInnen sowie die gelebte Solidarität und Mitbestimmung aus.

Der große Sieger des Wiener Wohnbaupreises 2015

Mit dem Wiener Wohnbaupreis 2015 ausgezeichnet worden ist schließlich „so.vie.so mitbestimmt ‒ Sonnwendviertel solidarisch“. Das Projekt der BWS umfasst 111 Wohneinheiten, die ab November 2013 von den BewohnerInnen bezogen worden sind. Das Architekturbüro s & s ist für die Planung verantwortlich, Auböck + Kárász wurden für die Landschaftsplanung hinzugezogen. Das Passivhaus mit energiesparendem Rohr-in-Rohr-System gilt sowohl was Funktionalität betrifft, als auch aus architektonischer Sicht als eines der Best-Practice-Beispiele im neu erschlossenen Lebensraum um den Hauptbahnhof.
„Die Besonderheit des Projektes liegt in dem von den Architekten gemeinsam mit dem Bauträger initiierten und von der wohnbund:consult begleiteten und unterstützten Beteiligungsprozess. Dadurch wurde der ersten „Bewohnergeneration“ bereits in der Planungsphase des Wohnbaus die Möglichkeit eröffnet wurde, die Größe und den Zuschnitt der eigenen Wohnung sowie die Größe des Balkons mit zu beeinflussen. Der hohe Partizipationsgrad und das frühe Einbeziehen der NutzerInnen zeigen sich als Erfolgsgaranten für Gemeinschaftsbildung und Selbstorganisation. Sie finden ihren Niederschlag in Bindungen an das Wohnhaus und seine Umgebung und vor allem auch in der Bereitschaft, dafür Mitverantwortung zu übernehmen“, begründete die international zusammengesetzte Jury. Sie strich zudem in ihrer Entscheidung das offene Partizipationsangebot, die frühzeitige, innovative Zusammenarbeit von PlanerInnen, Bauträger, Stadt Wien und BewohnerInnen sowie die Schaffung des dafür notwendigen, architektonischen und funktionalen Rahmens hervor. Das Projekt sei ein gelebtes „Bekenntnis zum Wohnen in Gemeinschaft in einem Neubauviertel, das nicht nur städtebaulich, sondern auch sozial erst im Wachstum steckt.“

   Erstmals wurde auch der große Publikumspreis vergeben

Neben dem Jurypreis ist heuer erstmals auch ein Publikumspreis verliehen worden. Der Gewinner wurde im Rahmen eines Online-Votings (unter www.wienwillswissen.at/wohnbaupreis) aus den neun von der Jury fürs Finale nominierten Projekten ermittelt. Dieser Preis erging an den Bauträger ÖSW und das Architekten-Team g.o.y.a. architekten für das Wohnprojekt „Time Out – Aktives Wohnen“. Die 84 geförderten Mietwohnungen, die im Mai 2013 bezogen wurden, sind Teil der Oase 22 in Neu-Stadlau, Wien 22. „Time out“ widmet sich laut Eigendefinition „den wirklich wichtigen Dingen im Leben“. Es verfügt über ein reichhaltiges Angebot an hauseigenen Freizeitangeboten und Gemeinschaftseinrichtungen.

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Stadtrat Dr. Michael Ludwig und Bezirksvorsteher Ernst Nevrivy bei der Überreichung der Preise (alle Fotos (c) Jobst)

Zwei weitere Projekte mit Anerkennungspreisen ausgezeichnet

Mit der Verleihung zweier Anerkennungspreisen würdigte die Jury zudem auch noch zwei besondere Projekte, die sich durch individuelle und richtungsweisende Lösungen auszeichnen.

„Wohnen mit uns!, Wohnen mit scharf!“, das am Gelände des ehemaligen Nordbahnhofs vom Bauträger Schwarzatal errichtet und von SUPERBLOCK ‒ einszueins architektur geplant wurde, erhielt den Anerkennungspreis für Baugruppen. Das „Zwillingsprojekt: Wohnen mit alles“, das im Dezember 2013 fertiggestellt wurde, umfasst 51 geförderte Mietwohnungen mit Superförderung und 98 Heimplätze. Es besteht aus zwei korrespondierenden Gebäuden: „Wohnen mit scharf!“ (gut zugeschnittene Mietwohnungen) und „Wohnen mit uns!“ (Baugruppe mit einer beeindruckenden funktionalen und sozialen, inneren Organisation).
In der Erklärung der Jury heißt es: „Es gibt nicht viele Wohngebäude, die ‒ wie dieses Baugruppenprojekt zeigt ‒ derart vielfältig nutzbare Erd- und Souterraingeschoße mit klug angeordneten, offen und kommunikativ gestalteten Gemeinschaftsräumen aufweisen. Das Spektrum reicht von einer Gemeinschaftsküche, über Kinderspielräume, Versammlungsräume und Werkstätten. (…) Hervorzuheben sind auch die integrierten Sozialwohnungen und die Gästewohnungen auf dem Dach. Stadtentwicklungspolitisch ist das Projekt ein Wegweiser, weil es aufzeigt, dass Baugruppen auch in den neuen, zentral gelegenen Stadtarealen den Platz finden können, der ihnen die Möglichkeit zur Entfaltung gibt. Ohne Zweifel ist es deshalb ein beispielgebendes Baugruppenprojekt, das durch ein außerordentliches Engagement der BewohnerInnen und durch ein besonderes Maß an Sozialer Nachhaltigkeit mit hohen städtebaulichen und architektonischen Qualitäten überzeugt.“

Einen weiteren Anerkennungspreis vergab die Jury an gleich drei unabhängig voneinander eingereichte, gleichzeitig jedoch gemeinsam miteinander verbundene Projekte. Sie wurden mit dem Anerkennungs-Preis für Quartiersentwicklung ausgezeichnet.
Die drei Bauteile „Time Out ‒ Aktives Wohnen“ (Bauträger ÖSW, Architektur: g.o.y.a. architekten) „BOA“ (Bauträger: BUWOG, Architektur: ARGE Köb & Pollak ‒ Schmoeger Architektur) und Adelheid-Popp-Gasse 5 (Bauträger: GESIBA, Architektur: studio uek ‒ Pesendorfer) bilden das Quartier „OASE 22“. Besonders hervorgestrichen wird von der Jury, dass „die drei Bauträger in der bauplatzübergreifenden Quartiersentwicklung – unterstützt durch das befristete Stadtteilmanagement der CARITAS – bereits heute das praktizieren, was Schule machen sollte: Jedes Wohnprojekt sollte künftig einen Beitrag zur Bildung von Quartieren leisten und die gemeinsame Nutzbarkeit von Gemeinschaftseinrichtungen ermöglichen.“ Die Quartiersbildung äußert sich in dem reichhaltigen Angebot an Gemeinschaftsräumen und -veranstaltungen, zeigt sich in der zusammenhängenden Gestaltung der Freiräume und findet einen symbolischen Ausdruck in dem „Skywalk“, der über die Dächer der einzelnen Gebäude, verbunden durch auffällige Brücken einen Rundgang zulässt, so die Jurybegründung: „Das Besondere ist, dass die Grenzen zwischen den Bauteilen keine Rolle mehr spielen. Dieser Gemeinschaftsgedanke hat mit Sicherheit dazu beigetragen, dass das Quartiersmanagement einen erfolgreichen Anstoß zur Gemeinschaftsbildung und zur Eigeninitiative der Mieterschaft leisten konnte und die Verantwortung dafür mehr und mehr in deren Hände legen kann. Besonders erwähnenswert für die Einschätzung der Qualitäten dieses gemeinsamen Projektes ist auch noch das weiterführende Angebot betreubarer Wohnungen und der Pflegegemeinschaft als Beiträge zum ,Generationenwohnen‘. Dies rundet die Qualitäten sozialer Nachhaltigkeit ab, die dieses Gemeinschaftsprojekt ausmachen.“

Der Wiener Wohnbaupreis und seine Bedeutung

Der Wiener Wohnbaupreis wurde 2009 auf Initiative von Wohnbaustadtrat Michael Ludwig ins Leben gerufen. „Ziel des Preises ist es, geförderte Wohnbauten, die über herausragende innovative Qualitäten verfügen, entsprechend zu würdigen. Dabei zählt in erster Linie, welche Standards in der Umsetzung der Projekte erreicht wurden, allen voran eine sehr hohe, bedarfsgerechte Wohnqualität. Gleichzeitig soll der Wiener Wohnbaupreis aber auch zu weiteren Innovationen und Höchstleistungen anzuspornen“, so Wohnbaustadtrat Ludwig.
Der Preis gilt als eine der höchsten und renommiertesten Auszeichnung im Bereich des Wohnbaus – nicht umsonst wird er auch als „Wohnbau-Oscar“ bezeichnet. Ausgelobt wird der Wiener Wohnbaupreis vom wohnfonds_wien.

Der erste Wiener Wohnbaupreis ist 2009 an das Liesinger Wohnprojekt „Wohnmodell interethnische Nachbarschaft“, für das der Bauträger Urbanbau und Architekt Peter Scheifinger verantwortlich zeichnen, verliehen worden. Mit der erstmaligen Verleihung des Wiener Wohnbaupreises sind die besten Wohnprojekte seit der Einführung der Bauträgerwettbewerbe und des Grundstücksbeirats im Jahr 1995 prämiert worden.

Für den zweiten Wiener Wohnbaupreis – die Auslobung erfolgte im Herbst 2014 -waren alle geförderten Wohnprojekte zugelassen, die im Zeitraum vom 1. Jänner 2008 bis 31. Dezember 2013 besiedelt wurden. Insgesamt 49 Projekte sind für den Wiener Wohnbaupreis 2015 eingereicht worden. 50 Teams aus insgesamt 29 Bauträgern, 44 ArchitektInnen und 14 LandschaftsplanerInnen sowie Fachleute aus den Themenbereichen Ökologie und Soziale Nachhaltigkeit haben damit ihre realisierten Projekte für die Auszeichnung, die auch international mit einem hohen Renommee verbunden ist, nominiert.
Das Siegerprojekt wurde, wie bereits 2009, von einer international zusammengesetzten Jury unter dem Vorsitz von Univ.-Prof. DI Kunibert Wachten, Vorstand des Instituts für Städtebau und Landesplanung Aachen, ermittelt. Beurteilt wurde dabei der Innovationsgehalt hinsichtlich der vier Säulen Ökonomie, Soziale Nachhaltigkeit, Architektur und Ökologie, aber auch die Umsetzungsqualität, Nutzerorientierung und Gebrauchstauglichkeit. Neun Projekte schafften es schließlich ins große Finale. Die Vielfalt der Projekte reicht von Betreutem Wohnen, Mehrgenerationenwohnen über Interkulturelles Wohnen, bis hin zu jungem und kostengünstigem Wohnen sowie Wohnen in Gemeinschaft.

„Das Siegerprojekt dient nicht nur als Beispiel und Impulsgeber für den heimischen, sondern auch für den internationalen Wohnbau. Denn wenn von bestem sozialem Wohnbau die Rede ist, blickt die ganze Welt nach Wien“, betont der Wiener Wohnbaustadtrat. Und Prof. Kunibert Wachten, der Vorsitzende der Jury erklärt: „Der Wiener Wohnbau ist international beispielgebend. Gerade auch die soziale Nachhaltigkeit steht bei allen Projekten im Zentrum.“ Bereits 2009 sei ein Projekt mit dem Wiener Wohnbaupreis ausgezeichnet worden, das – zum damaligen Zeitpunkt bereits 10 Jahre bewohnt, trotzdem aber – seiner Zeit voraus gewesen sei. Heute sei soziale Nachhaltigkeit – die vierte Säule bei den Beurteilungskriterien im geförderten Wohnbau – kein Etikett sondern Standard. Alle eingereichten Projekte zeichneten sich durch Lösungen für die Frage ,Wie lebt man in Gemeinschaft?´ aus. Wachten zeigte sich überzeugt, dass auch das Siegerprojekt 2015 Maßstäbe für die Zukunft setzen werde.

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