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Rudolf Karnik ist am 15.3. 2011, im 97. Lebensjahr verstorben

Rudolf Karnik wurde in der Ausgabe 8. des Donauechos ein Beitrag gewidmet. Link

Nachruf der SPÖ Donaustadt:
Rudolf Karnik, geboren zu Beginn des Ersten Weltkrieges, war in der Zeit der großen sozialdemokratischen Kulturbewegung von 1929 bis 1934 in der Sozialistischen Arbeiterjugend in Simmering zu Hause. Als 20-jähriger erlebte er den 12. Februar 1934 nicht direkt in den Kämpfen, da er nicht Mitglied des Republikanischen Schutzbundes war, aber er machte als Helfer mit.

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Rudolf Karnik

Die Schmach der Ausschaltung der Sozialdemokratie hat den jungen Sozialisten dazu gebracht, bei den illegalen Revolutionären Sozialisten aktiv zu werden. Ein Jahr nach dem Ende der Februarkämpfe starteten die RSJ und andere linke Gruppen Aktionen gegen das austrofaschistische Regime. Flugblätter mit drei Pfeilen wurden verteilt und geworfen, Parolen wie „Wir kommen wieder“ wurden auf Häuser und im Wienerwald sogar auf Bergfelsen gemalt. Dabei wurde Rudolf Karnik bei einem Einsatz bei der Mizzi-Langer-Wand mit anderen Genossen von der Polizei verhaftet. Bei der nachfolgenden Gerichtsverhandlung, bei der sie der bekannte jüdische Rechtsanwalt Heinrich Steinitz verteidigte, erreichte dieser, dass Rudolf Karnik, trotz höherer Strafandrohung zu einem Jahr Arrest verurteilt wurde. Er kam durch eine Weihnachtsamnestie am 21. Dezember 1935 wieder frei. Nach der Machtergreifung der Nazis gab es im Jahr 1939 weitere Verhaftungen von Revolutionären Sozialisten. Rudolf Karnik war jedoch schon am 1. 9. 1938 zur deutschen Wehrmacht eingezogen. In den Jahren 1941 bis 1943 war er an verschiedenen Fronten eingesetzt. Nach einem Lazarettaufenthalt gelang es ihm, dem Kriegsdienst zu entkommen, sodass er in einem Betrieb in Moosbierbaum beschäftigt wurde. Deshalb konnte er sich gleich nach dem Ende des Krieges am Wiederaufbau von SPÖ-Organisationen beteiligen, u. a. engagierte er sich auch bei den Naturfreunden in Mödling und später in der Bezirksorganisation Donaustadt in der Sektionsarbeit und als Bildungsfunktionär. Mitte der 90er Jahre übernahm er die Leitung der Bezirksgruppe Donaustadt der Freiheitskämpfer, in der er bis zum Schluss unermüdlich tätig war. Rudolf Karnik war einer der letzten Revolutionären Sozialisten aus der Zeit der Illegalität, der bis zuletzt noch in der Sozialdemokratie aktiv war. Seine Tätigkeit in der Illegalität ist im ersten Band über „Widerstand und Verfolgung in Wien 1934– 1945“ (Österreichischer Bundesverlag, 1975) dokumentiert. Er wird auch in der Opferfürsorgekommission als Kämpfer gegen den Faschismus geführt. Was ihn ausgezeichnet hat, war, dass er seinen Grundsätzen der Sozialistischen Arbeiterjugend vor 1934 treu geblieben ist: Internationalismus, sozialer Kampf gegen Kapitalismus und Diktatur, Ablehnung von Antisemitismus und Ablehnung nationalistischer Vorurteile.

Rudolf Karnik wurde mit der Victor- Adler- und der Otto-Bauer-Plakette sowie mit dem goldenen Abzeichen der Freiheitskämpfer ausgezeichnet.
Die SPÖ-Donaustadt möchte den Hinterbliebenen ihr aufrichtigstes Beileid aussprechen.

Parte  Rudolf Karnik

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