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Gemeinderat Christoph Peschek im Interview

Wir besuchten Gemeinderat Christoph Peschek im Rathaus und hatten die Gelegenheit, ein sehr spannendes und offenes Interview zu führen, ein Teil des Interviews wurde in der Druckausgabe 19 des Donaustadtechos veröffentlicht, anbei das Interview in voller Länge.

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Gemeinderat Christoph Peschek

Donaustadtecho:

Sehr geehrter Herr Gemeinderat Peschek! 
Sie sind der jüngste Abgeordnete im Wiener Gemeinderat und seit mehr als zwei Jahren im Gemeinderat, wie sind Ihre Eindrücke und Erfahrungen als Mandatar?

Peschek:

Die Tätigkeit im Gemeinderat und Landtag finde ich sehr sehr spannend und abwechslungsreich. Ich habe das Gefühl, das wir sehr wesentliche Dinge in den letzen zwei Jahren weiterbringen konnten – besonders im Bereich der Jugend und Lehrlinge.

Donaustadtecho:

Wie erleben Sie die Zusammenarbeit mit den anderen Fraktionen im Rathaus?

Peschek:

Mit den Grünen gibt es in Bildungsfragen sehr viele Übereinstimmungen.
Wie immer im Leben, wenn zwei unterschiedliche Partner zusammenarbeiten, gibt es da und dort Punkte, bei denen man unterschiedlicher Auffassung ist. Da bemüht man sich sehr professionell um die Erarbeitung von Lösungen. An der Arbeit der Opposition überrascht mich, in welcher Offenheit die FPÖ und große Teile der ÖVP gegen die Interessen der Jugendlichen arbeiten. Beispielsweise hat die ÖVP gegen den Neubau der Berufsschule und die FPÖ gegen Subventionen für Jugendzentren gestimmt.
Das habe ich mir in dieser Offenheit nicht erwartet. Es ist aber wichtig das zu wissen, um es auch zu verdeutlichen, dass tatsächlich die Sozialdemokratie jene Partei ist, die mit aller Kraft und lauter Stimme für die Jugendlichen kämpft.

Donaustadtecho:

Sie sind der Jugendsprecher der SPÖ-Wien, welche wichtigen Punkte konnten umgesetzt werden?

Peschek:

Sehr wesentlich ist, dass wir ein Rekordbudget für die Kinder-, Jugend- und Bildungsarbeit von rund 1,3 Milliarden Euro haben. Der kostenlose Kindergarten wird im Gegensatz zu anderen Bundesländern beibehalten. Auch die Wiener Ausbildungsgarantie ist ein wesentlicher Baustein für die Zukunftsperspektiven junger Menschen in der Stadt.
Von ganz großer Bedeutung, auch symbolisch, ist, dass wir nach über 10 Jahren eine neue Berufsschule bauen, die Berufsschule Embelgasse für Verwaltungsberufe. Diese Berufsschule soll nicht nur ein Gebäude aus Stein und Mörtel sein, sondern vielmehr ein Symbolbild dafür, dass die Jugend, dass die Lehrlinge in dieser Stadt etwas wert sind und bestmögliche Rahmenbedingungen erhalten sollen.
Und zwar ein Sprungbrett, um ihre Träume in der Arbeitswelt zu verwirklichen. Das Top Jugendticket ist gerade für Jugendliche eine wichtige Verbesserung. Ein letzter konkreter Punkt ist, dass seit 1. Jänner bei Auftragsvergaben durch die Stadt Wien Betriebe, die Lehrlinge ausbilden, stärker berücksichtigt werden.

Donaustadtecho:

Ein Thema in den Medien war auch der Kultur- und Sportverein (KUS) der Wiener Berufsschulen.

Peschek:

Die ÖVP und FPÖ Ableger Aigner haben gegen den KUS gestimmt. Der Kultur- und Sportverein der Wiener Berufsschulen ist ja in Österreich ein einzigartiger Verein, der sich ganz konkret um Anliegen der Lehrlinge an den Berufsschulen kümmert.
Er bietet Sportprogramme, Kulturprogramme, Projekte, Lehrlingsbibliotheken und vieles mehr an. Da zeigen ÖVP und FPÖ ihr wahres Gesicht: Ihnen sind die Interessen der jungen Leute egal sind und sie sehen sich als Vertreter der Unternehmer und Superreichen verstehen.

Donaustadtecho:

Wie volksnah ist Christoph Peschek, wie ist Ihr Zugang zu den Jugendlichen?

Peschek:

Durch meine gewerkschaftliche Tätigkeit bin ich viel unterwegs, insbesondere in Lehrwerkstätten, Berufsschulen und auch als Privatperson immer wieder selbstverständlich in Diskotheken, Sportplätzen und vielem mehr. Mir ist der unmittelbare Kontakt sehr, sehr wichtig. Klar ist, ich habe Grundwerte, sozialdemokratische Grundwerte, zu denen ich stehe, die auch der Kompass meiner politischen Tätigkeit sind. Die direkte Rückmeldung, auch die direkten Gespräche helfen mir sehr in der täglichen politischen Arbeit, um das ein oder andere zu verbessern.

Donaustadtecho:

Das Thema Lehrlinge und Lehrstellen – eines Ihrer Kernthemen, wie schaut es aus am Lehrstellenmarkt?

Peschek:

Mir ist wichtig, dass jeder Mensch die bestmöglichen Chancen und Rahmenbedingungen für ein selbstbestimmtes Leben in Würde erhält. Dazu gehört auch bestmögliche Bildung, daher kämpfen wir sehr stark für Bildungsreformen, damit nicht die Herkunft oder die Ausbildung der Eltern entscheidend ist oder ihr Geldbörserl, sondern die Chancen für das Kind im Mittelpunkt stehen.
Die gemeinsame ganztägige Schulform, aber auch nach der Pflichtschule die Möglichkeit zu bekommen weitestgehendst den Traumberuf ausüben zu können. Wir sind in einer schwierigen Situation, da sich immer mehr Betriebe von ihrer gesellschaftlichen sozialen Verantwortung verabschieden. Nur mehr 9 % der Betriebe in der Privatwirtschaft in Wien bilden Lehrlinge aus. Wir hatten in Wien 1980 rund 30.000 Lehrstellenplätze, heute sind es in der Privatwirtschaft weniger als 14.000. Daher ist auch das Herzstück der Wiener Jugendpolitik die Wiener Ausbildungsgarantie. Sie soll bewirken, dass möglichst alle Jugendlichen eine Ausbildung erhalten, damit auch ein Sprungbrett in die Arbeitswelt hinein geschaffen wird. Mit der Auftragsvergabe gekoppelt an die Lehrausbildung haben wir einen Beitrag geleistet für mehr Quantität, genauso mit der Ausbildungsgarantie. Wir reden hier von etwa 3500 Jugendlichen in den Lehrwerkstätten und nochmals 1200 Lehrlingen, die bei Stadt oder ihren Unternehmungen eine Lehrausbildung absolvieren. Damit ist die Stadt in Wien der größte Ausbildner. Das zeigt sehr deutlich, wie ernst wir es mit der Verantwortung meinen. Aber es ist auch wichtig die Privatwirtschaft noch mehr in die Verantwortung zu nehmen daher fordern wir, fordere ich, einen Ausbildungsfond. Jene Betriebe, die sich aus ihrer Verantwortung stehlen, sollen einen Beitrag zugunsten jener leisten, die für Gesellschaft etwas tun, nämlich Ausbildungsplätze und Arbeitsplätze schaffen.
Zweites Themenfeld, das mich sehr stark beschäftigt, ist die Qualität in der Lehrausbildung.
Wir wissen leider, dass sehr viele Lehrlinge Überstunden leisten müssen, Probleme bei Krankenstandstagen und vielem mehr haben. Oft keinen keinen bis wenig Kontakt zu ihren Ausbildnern haben, dieser Zustand ist nicht optimal, sondern sehr sehr schlecht.
Ich möchte mich an dieser Stelle bei vielen Betrieben bedanken, die ausbilden und sich auch sehr bemühen, aber diese schwarzen Schafe schaden dem Image der Lehrausbildung. Wir müssen uns überlegen, wie können wir die Qualität optimieren? Mein Vorschlag ist die Einführung eines Lehrlingsawards, der alle drei Jahre an Betriebe vergeben wird, sofern sie Qualitätskriterien einhalten. Kriterien sollen sein: Einhaltung der Lehrpläne, Weiterbildung der Ausbildner, Soft Skills, soziale Kompetenzen und vieles mehr.

Das möchte ich unbedingt in dieser Legislaturperiode auf Wiener Ebene umsetzen.

Donaustadtecho:

Das Klima am Arbeitsmarkt wird rauher, bekommen das auch Lehrlinge zu spüren?

Peschek:

Leider lassen sich immer mehr Jugendliche Dinge gefallen, die weit außerhalb des gesetzlichen Rahmens sind, aus Angst die Lehrstelle zu verlieren.
Daher ist es wichtig, dass es viele Lehrstellen gibt, dass viele Jugendliche eine Perspektive erhalten und dadurch die für die Wirtschaft notwendigen Fachkräfte ausgebildet werden.
Die Fachkräfte von morgen fallen nicht vom Himmel, sondern müssen ausgebildet werden.
Die Einhaltung der gesetzlichen Bestimmungen für Lehrlinge ist ein weiteres Problem.
Hier sind dringend das Arbeitsinspektorat und die Lehrlingsstelle der Wirtschaftskammer aufgefordert Kontrollen, zu denen sie per Gesetzesauftrag verpflichtet sind, durchzuführen.

Donaustadtecho:

Welche Erfolge gibt es bei durch die Gewerkschaftsarbeit im Bereich Lehrlinge?

Peschek:

Es gibt eine Reihe von konkreten Beispielen, in denen wir und auch ich helfen konnten. Besonders dramatisch war die Situation für die Lehrlinge bei der Firma Charterline, besser bekannt unter dem Namen Buchbinder-Autoverleih.
Dort waren die Zustände katastrophal, Lehrlinge mussten benutzte Kondome wegräumen, Unkraut zupfen, Bürolehrlinge mussten Auto waschen und gleichzeitig war die Lehrlingsentschädigung viel zu niedrig. Es ist uns gelungen, dass wir alleine für 24 Lehrlinge in Wien über 50.000 Euro erstreiten konnten.
Ein anderes Beispiel war ein Versicherungsunternehmen, das Lehrlingen über ein halbes Jahr keine Lehringsentschädigung bezahlte mit dem Argument „Ihr verkaufts nichts, also brauchts auch kein Geld haben“. Auch hier konnten wir wesentliche Eurobeträge für die KollegInnen zurückgewinnen und sogar neue Ausbildungsplätze zur Verfügung zu stellen.

Donaustadtecho:

Was würden Sie in 10 Jahren gerne verändert haben?

Peschek:

Meine Vision ist, dass die Menschen die Möglichkeit bekommen ihre Träume zu verwirklichen und ich dazu einen Beitrag leisten konnte und durfte.

Das passt auch zu meinem Lieblingszitat, das lautet: Nur wer den Mut hat zu träumen, hat auch die Kraft zu kämpfen. Das stammt von Alfred Dallinger, der Vorsitzender der Gewerkschaft der Privatangestellten war und auch Sozialminister der Republik Österreich. Und auch Jugendsekretär der Gewerkschaft GPA war, wie ich jetzt.

Donaustadtecho:

Wie ist ihr Bezug zum 22. Bezirk?

Peschek:

Ich bin von klein auf im 22. Bezirk aufgewachsen, groß geworden im Gemeindebau Donau-Stadtstraße 30 und möchte diese Zeit überhaupt nicht missen.
Kann mir auch nicht vorstellen aus dem 22. wegzuziehen, ganz im Gegenteil, da fühle ich mich wohl, da möchte ich bleiben. Der 22. Ist für mich deswegen so faszinierend, weil es eine spannende Mischung gibt, zwischen Urbanität, Grünraum und internationalem Flair gibt, mitten drinnen dann doch auch die sehr traditionellen Kerngebiete in den Ortschaften. Mir macht es total viel Spass für die Donaustadt arbeiten zu dürfen, hier zu leben und für die Bevölkerung da zu sein.
Und ich hoffe, dass ich diese politische Funktion noch länger ausüben darf, wir haben noch viel vor.

Donaustadtecho:

Wenn Sie einem Besucher die Donaustadt zeigen dürften …

Peschek:

Beginnen würde ich gegen Abend, wenn wir über die Reichsbrücke in den 22. fahren, um bei Sonnenuntergang das Spiegeln der Sonne in den Fenstern Kaisermühlens herzuzeigen. Das ist ein wirklich atemberaubender Anblick.
Dann hinauf auf den Donauturm, um die wunderbare Skyline der Donaustadt zu präsentieren.
Ich würde den einen oder anderen Fußballplatz, wo ich auch selber einmal gespielt habe, besuchen.
Die spannende Vielfalt zwischen Gemeindebauwohnungen, Genossenschaftsbauten und Einfamilienhäusern ist sicherlich sehenswert.
Auch Abendlokale, Discos und vieles mehr würde ich mit meinen Gästen besuchen um die Vielfalt zwischen Freizeit, Sport und beruflichen Konnex zu zeigen.

Donaustadtecho:

Sie sind leidenschaftlicher Rapidfan – trifft man Sie bei Rapidspielen auch an?

Peschek:

Sofern es mein Terminkalender erlaubt, bin ich bei Rapidheimspielen, ich habe ein Abo. Für mich als Arbeitervertreter ist klar, dass mein Herz für den ersten Wiener Arbeiterfußballverein schlägt. Auch wenn es momentan sportlich nicht ganz dem entspricht, was man sich wünscht. Umso mehr muss man, wenn einem der Wind ins Gesicht bläst, standhalten und tatsächlich zu seinem Werten und seinem Verein stehen. Und das tue ich!
Insofern stehe ich auch jetzt zu Rapid.

Donaustadtecho:

Wie sieht es im Privatleben des Gemeinderats Peschek aus?

Peschek:

Ich bin sein mehren Jahren mit meiner Freundin und Lebensgefährtin Alexandra in einer glücklichen Beziehung, wir wohnen zusammen in der Nähe vom Rennbahnweg. Wir werden am 5. Juli heiraten. Wir haben auch gemeinsam drei Katzen: Puma, Puppi und Bianka, die total liebenswürdig und sehr verspielt sind.

Donaustadtecho:

Sie sind ein viel beschäftigter Politiker, wie verbringen Sie Ihre spärliche Freizeit?

Peschek:

Die Zeit, die wir zur Verfügung haben, versuchen wir vor allem mit Familie und Freunden zu verbringen, wir gehen Essen, ins Rapid Stadion, betreiben Sport, ich denke, dass ein gewisser Ausgleich wichtig ist.

Da gibt mir meine Familie, insbesondere meine Freundin ungemein viel Kraft auch schwierige Zeiten, die es in der Politik wie in jedem anderen Beruf auch gibt, zu überstehen und auch gleichzeitig auf andere Gedanken zu kommen, um sich auch privaten Dingen widmen zu können.

Da bin ich sehr, sehr dankbar dafür.

Donaustadtecho:

Christoph Peschek der Autofahrer oder Christoph Peschek der Öffifahrer?

Peschek:

Wir haben ein Auto, sind aber großteils mit den öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs. Weil es mir auch wichtig ist, mich nicht vor der Bevölkerung zu verstecken. Ganz im Gegenteil, mich kann man in der U-Bahn, genauso wie in der Disco, am Sportplatz und in der Lehrwerkstatt ansprechen und ich freue mich auch über jede Meinung, jede Anregung, weil ich mich tatsächlich als Sprachrohr der Menschen sehe und mich daher dieser unmittelbare Kontakt viel Freude bereitet. Das Schönste ist, wenn man sich am Abend schlafen legen kann und weiß man konnte wieder einem Menschen helfen und die Welt ein Stück gerechter machen.

Donaustadtecho:

Wo trifft man Sie am Öftesten persönlich?

Peschek:

In Bildungs- und Lehrwerkstätten und im Rapidstadtion, aber darüber hinaus auch im Club Couture oder auch der Praterdom.

Donaustadtecho

Drei Eigenschaften Ihrer Freundin, die Sie am meisten schätzen?

Peschek:

Sie ist hilfsbereit, intelligent, bezaubernd.

 

Infos:

Lieblingsspeise: Spaghetti Bolognese

Lieblingsgetränke: Apfelsaft gespritzt

Lieblingsfarbe: Rot

Mailadresse: christoph.peschek@spw.at

Facebook: http://www.facebook.com/peschek.christoph

 

 

 

 

 

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