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Donaustädter Nationalratsabgeordnete Becher besorgt wegen Entwicklung der Fraueneinkommen

Einkommensverteilung: Frauen nach wie vor benachteiligt 
Die einzige Gruppe von Frauen, die gleich viel verdienen wie ihre männlichen Kollegen, sind ganzjährig vollzeitbeschäftigte Beamtinnen im öffentlichen Dienst. In allen anderen Beschäftigtengruppen und Branchen verdienen Frauen nach wie vor deutlich weniger als Männer. Das geht aus dem aktuellen Bericht über die durchschnittlichen Einkommen der Erwerbstätigen und der PensionistInnen (III-371 d.B.) hervor, den der Rechnungshofausschuss unter dem Vorsitz seines Obmannes Werner Kogler debattierte. 

Frauen arbeiten häufiger als Männer in Branchen mit schlechterer Entlohnung, erbringen dort geringer bezahlte Dienstleistungen oder Hilfstätigkeiten und leisten überdurchschnittlich häufig Teilzeitarbeit, was sich zusätzlich negativ auf ihre Einkommenssituation auswirkt. Angesichts dieser Analyse des Rechnungshofpräsidenten, dessen Bericht der Ausschuss einstimmig zur Kenntnis nahm, zeigten sich die Abgeordneten „geschockt“ (G- Abgeordneter Bruno Rossmann), „erschüttert“ (F-Abgeordneter Alois Gradauer), „besorgt“ (S-Abgeordnete Ruth Becher) und „deprimiert“ (G- Abgeordnete Gabriela Moser) über die aktuelle Einkommensentwicklung, vor allem auch wegen der negativen Entwicklung bei den Einkommen der ArbeiterInnen. Viele Menschen mit niedrigen Einkommen seien immer weniger in der Lage, ihr Leben ohne Hilfe ihrer Familien oder durch den Staat zu bestreiten. Mit Rechnungshofpräsident Moser waren sich die Abgeordneten darin einig, dass es notwendig sei, Frauen dazu zu motivieren, besser bezahlte Berufe zu erlernen und auszuüben sowie dafür zu sorgen, dass die Qualifikationen der Frauen besser genutzt und mehr Führungspositionen weiblich besetzt werden. 

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Positiv konnte registriert werden, dass in einer vollzeitbereinigten Darstellung die durchschnittlichen Fraueneinkommen in den letzten Jahren gegenüber den Männern einige Prozentpunkte aufholen konnten. Wie lange es bei diesem Tempo noch dauern werde, bis die Frauen bei den Einkommen Parität mit den Männern erreicht haben werden, hänge von politischen Entscheidungen ab, sagte Rechnungshofpräsident Josef Moser auf eine diesbezügliche Frage der G-Abgeordneten Gabriela Moser. 

Die Ergebnisse des Einkommensberichts im Einzelnen 

Die Zahl der unselbständig Erwerbstätigen stieg 2011 um 2,68 % auf 4.004.748 Personen. Das mittlere Bruttojahreseinkommen betrug 24.843 €. Das niedrigste Medianeinkommen hatten mit 18.157 € ArbeiterInnen, das höchsten BeamtInnen mit 49.274 € BeamtInnen, wobei der Rechnungshof aber hinzufügt, dass die 2011 um 2,69 % kleiner werdende Gruppe der BeamtInnen überdurchschnittlich viele AkademikerInnen umfasst und ein deutlich höheres Durchschnittsalter als andere Personengruppen aufweisen, führte Rechnungshofpräsident Josef Moser aus. 

Frauen verdienen nach wie vor und in allen Beschäftigtengruppen deutlich weniger als Männer: 2011 betrug das mittlere Einkommen der Frauen 60 % des mittleren Männereinkommens. Wesentlich schwächer als in der Privatwirtschaft fällt der Einkommensnachteil der Frauen aber im öffentlichen Dienst aus: Beamtinnen verdienen 94 %, weibliche Vertragsbedienstete 77 % des mittleren Männereinkommens, während weibliche Angestellte in der Privatwirtschaft 50 % und weibliche ArbeiterInnen 43 % des mittleren Männereinkommens erreichen. Die Einkommensdifferenzen zwischen den Geschlechtern ist teilweise auf Teilzeitarbeit zurückführen, aber auch beim Vergleich von ganzjährig Vollzeitbeschäftigten beträgt der Median der Fraueneinkommen nur 81 % des mittleren Männereinkommens. 

Ganzjährig vollzeitbeschäftigte Beamtinnen verdienen gleich viel wie ihre männlichen Kollegen, Vertragsbedienstete 93 % des mittleren Männereinkommens. In der Privatwirtschaft bestehen größere Einkommensdifferenzen: Weibliche Angestellte verdienen 66 %, weibliche ArbeiterInnen 69 % des mittleren Männereinkommens. 

Große Einkommensunterschiede in den einzelnen Branchen 

Die Höhe der Einkommens hängt auch stark von der Branche ab, in der eine Person beschäftigt ist: Die höchsten Einkommen werden in der Energieversorgung (Median 2011: 50.636 €), bei der Erbringung von Finanz- und Versicherungsdienstleistungen (40.835 €) sowie in Information und Kommunikation (39.029 €) erzielt. Die niedrigsten Einkommen in Beherbergung und Gastronomie (Median 2011: 9.464 €), Kunst, Unterhaltung und Erholung (14.456 €) sowie bei der Erbringung sonstiger wirtschaftlicher Dienstleistungen (14.885 €). Einkommensunterschiede zwischen Frauen und Männern resultieren auch aus dem Umstand, dass Frauen überproportional in Branchen mit niedrigem Einkommensniveau tätig sind. 

Auch bei ganzjährig Vollzeitbeschäftigte sind deutliche Differenzen sichtbar: Der Frauenmedian beträgt zwischen 62 % (Erbringung von sonstigen Dienstleistungen) und 94 % (Bergbau und Gewinnung von Steinen und Erden) des Männermedians. 

Hinsichtlich der Stellung der Personen im Beruf unterscheidet sich der öffentliche Dienst vom privatwirtschaftlichen zweifach: Bei einem höheren Medianeinkommen bestehen geringere Einkommensdifferenzen zwischen den verschiedenen Tätigkeiten. Niedrigere Einkommen werden besser bezahlt als in der Privatwirtschaft und zwischen den oberen Einkommenspositionen bestehen geringere Unterschiede. Ausschlaggebend sind die höheren AkademikerInnenquote, das um 12 Jahre höhere Durchschnittsalter der Beamten und der niedrigere Anteil an Teilzeit- und nicht ganzjähriger Beschäftigung. 

In den Produktionsberufen werden höhere Einkommen als in Dienstleistungsberufen erzielt. Frauen sind häufiger als Männer in Dienstleistungs- und Hilfstätigkeiten und damit in schlecht bezahlten Berufen zu finden und überdies leisten sie dort überdurchschnittlich häufig Teilzeitarbeit, was sich zusätzlich negativ auf ihre Einkommenssituation auswirkt. 

Schwerpunktthema atypische Beschäftigung 

2011 waren 2.817.100 Personen ganzjährig erwerbstätig, von denen 800.600 (28 %) teilzeitbeschäftigt waren. Das mittlere Bruttojahreseinkommen der ganzjährig Teilzeitbeschäftigten lag 2011 bei 15.429 € und betrug damit 42 % des mittleren Einkommens der ganzjährig Vollzeitbeschäftigten (36.383 €). Frauen leisten weit mehr Teilzeitarbeit als Männer: 86 % aller ganzjährig Teilzeitbeschäftigten sind weiblich, 50 % aller ganzjährig erwerbstätigen Frauen befinden sich in einem Teilzeit- Arbeitsverhältnis – bei Männern liegt dieser Anteil nur bei 8%). 

Neben Teilzeitarbeit spielen auch andere atypische Beschäftigungsformen eine wichtige Rolle am Arbeitsmarkt. Darunter fallen geringfügige Beschäftigung, befristete Tätigkeiten und Anstellungen bei Leih- und Zeitarbeitsfirmen. Zusammen mit der Teilzeitarbeit traf dies im Jahr 2011 auf 39 % aller unselbständig Erwerbstätigen zu. Bei Frauen lag der Anteil bei 59 %, bei Männern bei 22 %. Mit einem Bruttojahreseinkommen von 11.230 € verdienten atypisch Beschäftigte im Median nur ein Drittel der Personen mit einem Normalarbeitsverhältnis (33.452 €). 

Große Einkommensunterschiede zeigen sich bei den Einkommen der Selbständigen in den verschiedenen Wirtschaftsbereichen. Auch bei den Selbständigen gibt es große Unterschiede zwischen den Einkommen der Frauen und jenen der Männer. Im Gesundheits- und Sozialwesen – der Branche mit den höchsten Einkommen – verdienen Frauen im Mittel 14 % dessen, was Männer an Einkommen erzielen, in der Branche Herstellung von Waren beträgt der Frauenmedian 44 % des Männermedian, während in der Branche Beherbergung und Gastronomie der Frauenmedian auf 78 % des Männermedian kommt. 

Entwicklung der hohen und niedrigen Einkommen im Vergleich 

Beim Vergleich der Entwicklung hoher und niedriger Einkommen zeigt der Bericht, dass die Einkommensschere seit 1998 auseinanderging und sich dieser Trend nach einer kurzen Gegenentwicklung 2006 und 2007 bis 2011 fortgesetzt hat. Die hohen Einkommen stiegen real leicht, die niedrigen Einkommen nahmen sehr stark ab. So sanken die niedrigsten 10 % der unselbständigen Jahreseinkommen seit 1998 von 2.761 € um 11,77 % auf 2.436 €. 

Inflationsbereinigt sinken niedrige Einkommen seit 1998, während hohe Einkommen steigen. Das erste Quartil, die 25 % der niedrigsten Einkommen, lag 2011 bei 83 % des Wertes von 1998 (Frauen 92 %; Männer 80 %), das dritte Quartil, Grenzwert zu den höchsten 25 % der Einkommen – stieg 2011 auf 102 % des Wertes von 1998 an (Frauen 104 %; Männer 103 %). 

Eine lebhafte Ausschussdebatte 

Abgeordneter Franz Riepl (S) sprach angesichts der Verminderung der ArbeiterInnen-Einkommen die Vermutung aus, dass darin auch die Auswirkungen der Kurzarbeit sowie Einkommensverschlechterungen infolge des Betriebswechsels von Arbeitnehmern zum Ausdruck kommen, was RH-Präsident Moser bestätigte. 

Abgeordneter Bruno Rossmann (G) beklagte das Sinken der ArbeiterInnenlöhne und stellte die Auseinanderentwicklung hoher und niedriger Einkommen in den Mittelpunkt seiner Analyse. Rossmann sprach von „schockierenden Ergebnissen“, die zeigten, dass immer mehr unselbständige ArbeitnehmerInnen von ihren Familien, vom Staat oder in prekären Verhältnissen leben müssen. Als Ursachen identifizierte Rossmann vor allem die Zunahme atypischer Beschäftigungsverhältnisse. Der Mandatar lobte den Bericht als eine wertvolle Unterlage zur Analyse der Einkommensentwicklung, regte aber zugleich an, den Bericht künftig mit weiteren Daten anzureichern und seine Aussagekraft mit zusätzlichen Zeitreihen zu verbessern. Rechnungshofpräsident Moser erinnerte an dieser Stelle daran, dass die Erstellung des Einkommensberichts 300.000 € koste und er keine Möglichkeit sehe, mehr Ressourcen für diese Sonderaufgabe des Rechnungshofes, die er mit dankenswerter Unterstützung der Statistik Austria erledige, auszuweiten. 

Abgeordnete Martina Schenk (B) sah sich mit dem Rechnungshofpräsidenten darin einig, dass man Frauen dazu motivieren sollte, besser bezahlte Berufe zu erlernen und zu ergreifen. Darüber hinaus stellte Martina Schenk die Einführung eines gesetzlichen Mindestlohns und die Abschaffung der Zuverdienstgrenzen für Frauen zur Diskussion. 

Abgeordneter Alois Gradauer (F) bezeichnete die Tatsache, dass 1,4 Millionen Österreicher, davon fast 300.000 Jugendliche, armutsgefährdet sind, als ein Resultat falscher Politik und sah die Regierung gefordert. „Immer mehr Frauen leben in der Armutsfalle“, sagte Gradauer und befürchtete einen Anstieg der Armut auf zwei Millionen Menschen in Österreich. Den Koalitionsparteien warf der Redner Untätigkeit vor und kritisierte im Einzelnen die Belastungen des Mittelstands, die stark steigende Abgabenquote, die hohen Lohnnebenkosten und die erschütternden Einkommensverluste der ArbeiterInnen. Einmal mehr forderte Abgeordneter Gradauer Einsparungen in der Verwaltung. 

Abgeordnete Gabriela Moser (G) sprach von einer deprimierenden Entwicklung und verlangte, den Einkommensbericht an zeitlich prominenter Stelle im Nationalratsplenum zu diskutieren. Missstände ortete die Mandatarin bei den Energieversorgungsunternehmen, wo hohe Einkommen erzielt werden, der Anteil der dort beschäftigten Frauen aber weit unterdurchschnittlich sei. 

Abgeordneter Michael Hammer (V) führte den hohen Frauenanteil an den Teilzeitbeschäftigungen auf deren Interesse zurück, ihr Engagement für die Familien, die Kindererziehung und die Pflege älterer Angehöriger mit ihrer Berufstätigkeit zu vereinbaren. 

Auch Abgeordnete Ruth Becher (S) registrierte eine besorgniserregende Entwicklung bei den niedrigen Einkommen, die für viele Menschen oft nicht mehr ausreichten, um die notwendigsten Lebenshaltungskosten zu decken. 

Rechnungshofpräsident Josef Moser empfahl beim Thema Energieversorgungsunternehmen einmal mehr, die Transparenz zu verbessern, insbesondere beim Abschluss von Managerverträgen. Den Vorschlag der Abgeordneten Christine Lapp (S) an den Rechnungshof, auch einen Vermögensbericht zu erstellen, wies Rechnungshofpräsident Moser mit dem Hinweis auf die begrenzten Ressourcen des Rechnungshofes zurück

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