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Im Gedenken: Donaupark, ehemaliger Militärschießplatz Kagran

Wer heute den gepflegten und der Erholung dienenden Donaupark besucht ahnt nicht welche wechselhafte und vor allem blutige Geschichte sich auf einem Teil dieses Geländes zugetragen hat.
Mit 1. April 1871 wurde das Gelände, in der Größe von 182.400 Quadratmeter, durch die  k. k. Militär Baudirektion in Wien von der Stiftsherrschaft Klosterneuburg gepachtet.
Der Pachtvertrag für den Militärschießplatz wurde für die Dauer von 15 Jahren, mit der Option auf weitere 15 Jahre abgeschlossen.  Der Pachtzins betrug jährlich 1600 Gulden.
1898 und 1908 besuchte Kaiser Franz Joseph die Anlage anlässlich verschiedener Veranstaltungen von Schützenvereinen.
Nach dem Ende der Monarchie wurde die Anlage von Schützenvereinen und der Jugendorganisation Jung-Vaterland der Heimwehr genutzt, blieb aber unter Militärverwaltung.
1936 fand ein internationales Wurftaubenschießen statt, organisiert vom Jagdklub „Hubertusrunde“.
Vom Juli 1940 bis zum 4. April 1945 wurden von den NS-Militärgerichten dokumentierte 129 Soldaten, Feuerwehrmänner und Polizisten auf diesem Militärschießplatz erschossen. Damit mutierte der ehemalige Schießplatz zu einer Hinrichtungsstätte.
Die Todesurteile wurden unter anderem wegen „Selbstverstümmelung“, Fahnenflucht, Solidarität mit Fremdarbeitern und Abhören von Feindsendern verhängt.
Die Hinrichtungen fanden im Gegensatz zu den Vollstreckungen im Landesgericht, wo rund 2000 NS-Gegner durch das Fallbeil geköpft oder am Galgen erhängt wurden, öffentlich statt.
Es wurden Soldaten der verschiedenen Truppenteile abkommandiert um den Tötungen beizuwohnen.
Ein besonders grausames Hinrichtungsspektakel wurde an den im linken Widerstand tätigen Wiener Feuerwehrmännern verübt.
Im Februar 1943 wurde die Widerstandsgruppe innerhalb der Wiener Feuerwehr von der Gestapo zerschlagen. 48 Mitglieder wurden verhaftet. Über fünf der Angeklagten wurde die Todesstrafe verhängt. Am 27. Oktober 1944 wurden Franz Pascher, Johann Perthold, Hermann Plackholm, Oskar Schlaf und Johann Zak vom Konzentrationslager Mauthausen in das Polizeigefangenenhaus Roßauer Lände überstellt.
Am frühen Morgen des 31. Oktober 1944 wurden die fünf Verurteilten an Pfählen auf dem Hinrichtungsplatz angebunden. Ihre zwangsweise abkommandierten Kameraden mussten im Karree antreten.
Hermann Plackholm und Johann Zak wurde erschossen, den drei anderen Männern wurde mitgeteilt, dass sie sie zu lebenslangem Zuchthaus „begnadigt“ wurden. Sie wurden wieder in das Konzentrationslager Mauthausen überstellt.
Die letzten Erschießungen mit vier Opfern fanden am 4. April 1945, knapp einen Monat vor Kriegsende statt.
Allen 129 Getöteten ist gemeinsam, dass sie gegen eine menschenverachtende Diktatur auftraten und somit beigetragen haben, dass wir heute in einer freien, demokratischen Staatsform leben.
Parallel zur Arbeiterstrandplatzstraße, beim Eingang neben dem Chinarestaurant und zum Kinderspielplatz, befindet sich circa 300 Meter Richtung Osten, ein Gedenkstein.
Dieser wurde von der Stadt Wien und dem Bundesministerium für Landesverteidigung gestiftet, in den städtischen Steinmetzwerkstätten von Leopold Grausam gestaltet, und am 5. November 1984 enthüllt.

Auf dem Gedenkstein sind die Worte eingemeißelt:

In den Jahren der nationalsozialistischen Schreckensherrschaft 1938 – 1945 wurden in unmittelbarer Nähe zahlreiche österreichische Freiheitskämpfer aus den Reihen der Wehrmacht erschossen. Unter den Opfern, die hier hingerichtet wurden, waren auch Angehörige der Wiener Feuerwehr.

Niemals vergessen!

Willi Soucek

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